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Bauwerksabdichtung 22. Februar 2012

Pilzwachstum aus einer Übergangsfuge
© B. Hammes
Der folgende Beitrag befasst sich mit einem im Holz- und Fertighausbau leider in der Regel missachteten und deshalb sehr schadensträchtigen Thema, nämlich der fachgerechten und feuchtigkeitsbeständigen Ausführung des Sockelbereichs. Die Sanierung des Schadensfalls geriet dann fast zur „unendlichen Geschichte“.

 

Am Anbau eines Einfamilienhauses aus dem Jahr 2005 blätterte zum wiederholten Mal im Sockelbereich die Beschichtung ab. Mehrere Renovierungsanstriche blieben ohne dauerhaften Erfolg.

Der Anbau ist in Holzrahmenbauweise mit einer Außenwandverschalung aus verputztem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) mit Holzfaserdämmplatten erstellt. Die Gefachdämmung besteht aus Mineralfaser. Der Anbau ist nicht unterkellert; die Fundamente und die Stirnseite der Bodenplatte sind mit Perimeterdämmung versehen.

 

Feststellungen beim Ortstermin im Frühjahr 2009

Die Holzbauwand beginnt etwa 5 cm über der Geländeoberfläche, die Holzfaserdämmplatte reicht teilweise bis an das angrenzende Gelände.

 

12-08-04-01 Abb. 1: Ausgangssituation (Foto: B. Hammes)

 

Bei der Bauteilöffnung wurde sichtbar, dass die Holzfaserdämmplatten bis auf etwa 50 cm Höhe durchnässt sind. Auf Druck tropfte Wasser an der Unterkante der Platten ab. Eine untere Sockelabschlussschiene fehlt. Auch die Gefachdämmung aus Mineralwolle ist durchfeuchtet.

Die Feuchte der Holzschwelle wurde mit ca. 88,5 % [1] gemessen (normal wären etwa 10 bis 12 %). Die Schwelle aus Fichte-Konstruktionsvollholz ist nicht imprägniert.

Der „normale“ Wandputz wurde nach Angabe des ausführenden Stuckateurs auch im Sockelbereich verwendet. Die Systembindung der Einzelkomponenten des Wärmedämmverbundsystems wurde nicht eingehalten.

Von dem mit der Planung und Bauleitung beauftragten Architekten liegen keinerlei Pläne oder Angaben zur geplanten Sockelausführung vor. Auch die notwendige „Bestätigung der ausführenden Firmen über die sachgerechte Ausführung des Wärmedämmverbundsystems“ fehlt.

 

Ursachen für den Schaden im Sockelbereich des Anbaus

Die gewählte Sockelausbildung dürfte erst über dem Spritzwasserbereich beginnen und müsste mindestens 30 cm Abstand zur Geländeoberkante haben.

 

Die Holzfaserdämmplatte nimmt Wasser auf, weil der verwendete Verputz im Spritzwasserbereich nicht in der Lage ist, die Platte vor Feuchtigkeit zu schützen. Es fehlt die vom Hersteller [2] verlangte zusätzliche systemgemäße Beschichtung des Unterputzes.

 

Der untere Anschnitt der Holzfaserdämmplatte ist völlig ungeschützt. Der untere Abschluss mit einer Sockelschiene, wie sie der Hersteller anbietet und verlangt, fehlt. Der offene Anschnitt saugt sich deshalb geradezu mit Wasser voll; die Feuchte steigt auf und trägt zur Durchnässung in der Fläche der Platten bei. Abgesehen davon ist die offene Kante auch anfällig für Risse aufgrund von Beschädigungen, die wiederum zum Feuchteintritt führen.

Der untere Anschnitt, knapp über Gelände gelegen, lässt sich gar nicht fachgerecht und feuchtigkeitsbeständig verputzen.

 

Die Holzschwelle ist gemäß DIN 68800-2 [3] in die Gefährdungsklasse 2 einzustufen, da sie dauerhaft höhere Feuchtegehalte aufweist als beispielsweise der Holzständer. Sie darf also nicht aus unbehandeltem Konstruktionsvollholz (KVH) wie hier bestehen.

KVH ist aufgrund der durch die Trocknung veränderten Materialeigenschaften relativ unempfindlich gegen Insektenbefall. Das gilt allerdings nicht für den Befall mit holzzerstörenden Pilzen bei länger erhöhter Holzfeuchte. Deshalb sollten Hölzer der GK 2 aus feuchteresistenten Hölzern wie beispielsweise Farbkernholz aus Lärche oder Douglasie ausgeführt werden.

Bei der Sanierung der eingebauten Schwelle musste man sich damit begnügen, das Holz mit chemischem Holzschutz nach zu imprägnieren. Allerdings ist es schwierig zu erreichen, dass das KVH genügende Mengen des Holzschutzmittels aufnimmt.

 

Die erste Sanierung begann vielversprechend …

Die ausführende Zimmerei entfernte das durchfeuchtete WDVS samt der ebenfalls durchfeuchteten Wärmedämmung bis auf ca. 50 cm Höhe über Gelände. Der geöffnete Bereich wurde dann wetterfest und diffusionsoffen abgedeckt, so dass die Hölzer über den Sommer austrocknen konnten.

Im Frühherbst ergab die Holzfeuchtemessung [1] wie geplant ausreichend niedrige Werte von 10 bis 12 % und die Sanierung wurde fortgesetzt.
Die getrocknete Holzschwelle wurde umlaufend nachimprägniert. Die Wärmedämmung und die erforderlichen Fugenbänder wurden wieder eingebracht. Die Holzfaserdämmplatte bzw. das WDVS wurde entsprechend der bauaufsichtlichen Zulassung wieder angebracht. Die Geländeoberfläche um den Anbau herum wurde im Zuge mit der Neugestaltung des Gartens abgesenkt, damit zukünftig alle Holzbauteile wenigstens ca. 20 cm Abstand zur Oberfläche haben.

 

… und sollte so fortgeführt werden …

Der Anschnitt der Holzfaserdämmplatten sollte mit einer Sockelschiene geschützt werden. Die Holzfaserdämmplatte sollte im Spritzwasserbereich entsprechend verputzt und mit dem zusätzlichen Spritzwasserschutz des Putzsystems versehen werden.

Dies war ein Zugeständnis an den ausführenden Stuckateur, der sich weigerte, eine fehlertolerantere Sockelausbildung mit feuchteresistenter Perimeterdämmplatte anstatt der Holzfaserdämmplatte auszuführen. Die feuchtigkeitsbeständige Ausführung eines Gebäudesockels mit Holzfaserdämmplatten steht und fällt mit der Sorgfalt der Ausführung – und diese war hier leider nicht gegeben.

Anschließend sollte das Putzsystem samt Anstrich nach Zulassung wieder aufgebracht werden.

 

12-08-04-02 Abb. 2: Nach der ersten misslungenen Sanierung: Übergang des sanierten zum belassenen Bereich (Foto: B. Hammes)

 

… und das wurde dann tatsächlich daraus

Die vereinbarte Sanierung wurde nicht fertiggestellt. Auf die erneuerte Putzträgerplatte wurden durch den Stuckateur erst im Spätherbst – also zu spät – eine Spachtelung mit unzureichend eingebettetem Gewebe sowie eine weitere Lage aufgebracht, die offenbar den Oberputz darstellen sollte. Besonders an der Westfassade und der Nordwestecke zeigten sich im folgenden Frühjahr bekannte und neue, insgesamt massivere Schäden:

 

Die erneuerte Putzträgerplatte war nass, was sich auch an den braunen Verfärbungen der Spachtelung deutlich zeigte. Im bisher nicht betroffenen Bereich über dem Sockel waren die Putzträgerplatten nun bis auf etwa einen Meter Höhe nass bzw. feucht. Auch am Anschluss an die Fensterbank war der Verputz schadhaft und die Putzträgerplatte nass geworden.

Der sogenannte Verputz war ungleichmäßig aufgebracht und bereits rissig. Die Dicke war unzureichend; sie betrug an den gemessenen Stellen nur ca. 3 mm.

Wenn man an den schadhaften Stellen der Spachtelung auf die Platte drückte, trat Wasser aus. Weiter löste sich die Sockelschiene ab. Sie war weder am Putzträger befestigt noch in die Gewebespachtelung eingebunden.

Die Holzfaserdämmplatte war zum Bestand stumpf gestoßen. Das zur Fugendichtung eingelegte „Kompriband“ war schmaler als die Putzträgerplatten, so dass zwischen den Platten eine etwa 10 mm tiefe und 5 mm breite Fuge mit ungeschützten, offenen Anschnitten entstanden war.

Am Übergang zwischen dem „verputzten“ Sockel mit dem erneuerten Putzträger und dem bislang nicht betroffenen, verputzten Wandbereich wurde die neue Spachtelung stumpf angearbeitet, anstatt einen Übergang zwischen den beiden Platten und dem bestehenden Putz zu schaffen. Dadurch entstanden ein kleiner Absatz und ein Abriss zwischen der Spachtelung und dem fertigen Oberflächenputz. An dem Abriss drang nun Wasser ein. Das führte dazu, dass auch der ehemals nicht betroffene Bereich der Fassade über dem spritzwasserbelasteten Sockel durchnässt wurde. Die Ränder der Fuge waren grünlich verfärbt aufgrund von Algen- und beginnendem Moosbefall. Aus dieser Fuge wuchsen im Laufe des Frühjahrs Pilze.

 

12-08-04-03 Abb. 3: Schäden am „sanierten“ Sockel (Foto: B. Hammes)
12-08-04-04 Abb. 4: Pilzwachstum aus der Übergangsfuge (Foto: B. Hammes)

 

Sowohl die Holzbauteile als auch die raumseitig auf der Holzkonstruktion angebrachten OSB-Platten waren völlig durchnässt. Die OSB-Platte, die auf Durchfeuchtungen schnell mit irreversiblen Festigkeitsverlusten reagiert, zeigte bereits deutliche Auflösung des Gefüges.

 

Der Zustand der Fassade hatte sich gegenüber dem Beginn der Sanierung verschlechtert, weil die seit Monaten wegen des nicht fertiggestellten, darüber hinaus fehlerhaft ausgeführten Putzes der Witterung ausgesetzten, erneuerten Holzfaserdämmplatten wieder durchnässt waren und sich der Schaden wegen der feuchtebelasteten Fuge in den ehemals nicht betroffenen Bereich ausgebreitet hatte.

 

Die Sanierung der Sanierung …

Zum Ärger aller Beteiligten mussten die durchnässten Dämmstoffe und Dämmplatten wieder entfernt und die vorbeschriebene Trocknungsprozedur über den Sommer wiederholt werden, um dann im Herbst die Sanierung – diesmal mit einem anderen Stuckateur – vornehmen zu können. Der gesamte Sockelbereich wurde erneuert. Diesmal allerdings wurde „auf Nummer sicher gegangen“ und dieser mit Perimeterdämmplatten als Putzträger ausgeführt.

 

12-08-04-05 Abb. 5: Beginn der Sanierung der Sanierung (Foto: B. Hammes)

 

Fazit

Die (unbeliebte) Planung der Höhenlage des anstehenden Geländes und der daraus resultierenden Sockelausbildung ist grundlegend, wird aber leider nur in Ausnahmefällen gemacht.

Eine Ausführung des Spritzwasserbereichs mit feuchtebeständigen Perimeterdämmplatten verzeiht eher Ausführungsfehler und sollte vor allem dann bevorzugt werden, wenn die Höhe der zukünftigen Geländeoberfläche noch unbekannt ist. Holzfaserdämmplatten im feuchtebelasteten Sockelbereich sind sehr schadensanfällig, weil Ausführungsfehler, die in erster Linie beim Verputzen vorkommen, fatale Folgen haben.

 

Literatur und Textverweise

[1] Gann Hydromette 4050, Sonde M20, Werte bei 17 mm Eindringtiefe in Masse% durch dielektrisches Messverfahren

[2] GUTEX Broschüre „Die Wärmedämmverbundsysteme“, Stand 07/2005

[3] DIN 68800-2:1996-05 Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau

[4] D. Kehl: Pilzmodelle – Ist der Befall vorhersehbar?; In: Holzbau 1/2011

[5] F. Colling / DGfH Innovations- und Service GmbH: Lernen aus Schäden im Holzbau. Ursachen- Vermeidung- Beispiele, München 2002

 

 

Autorin:
Dipl.-Ing (FH) Barbara Hammes,
ö.b.u.v. Sachverständige für Schäden an Gebäuden, insbesondere im Holzhausbau

 

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