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"der bauschaden"

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Wasserschaden durch fehlerhafte Badabdichtung verursacht Schimmelschäden an Holzbalkendecke

Dokumententyp: Schadensfall

Schimmelpilzbildung auf Rückseite der GK-Platte und der Spanplattenbeplankung
© R. Schlimmer
In einem 4 m² großen Bad im Dachgeschoss eines Wohnhauses kam es zu einem Wasserschaden. Dieser entstand an dem Entwässerungsanschluss des wandhängenden WCs, aus dem Wasser in die nicht abgedichteten Wände sowie in eine Holzbalkendecke eindrang. Der Sachverständige wurde von dem Haftpflichtversicherer des ausführenden Installateurs beauftragt, den Fall genauer zu untersuchen.

 

Schadenshergang und -ursachen

Im Zuge der Errichtung eines Wohnhauses wurde im Winter 2009 die Badinstallation im Dachgeschoss vorbereitend durchgeführt. Die Sanitärgegenstände wurden später, im Herbst 2010, montiert.

Laut dem Bauherr und der Schadensmeldung an die Versicherung war der Entwässerungsanschluss des WCs, welcher aus einem HT-Rohr Æ 100 mit einem waagrechtem Abgang besteht, an der ersten Verbindungsmuffe zu dem dahinterliegenden Entwässerungsrohr undicht. Der Gummidichtring war an der Muffe nicht dichtschließend, so dass vermutlich schon nach der Inbetriebnahme im März/April 2011 Wasser aus der Abwasserleitung in die Baukonstruktion (also die Holzbalkendecke und angrenzende Montagewände) eindrang. Bei diesem Allmählichkeitsschaden konnte kein exakter Schadenstag benannt werden, da der Wasseraustritt zuerst in einer nicht zugänglichen Abseite bzw. hinter einer Vorwand stattfand und erst viel später innerhalb des Bades sichtbar wurde.

 

Wasseraustritt am Dichtring Abb. 1: Wasser tritt aus der Entwässerungsleitung am Dichtring aus (Foto: Schlimmer)

 

Im Bad waren eine Dusche, ein Waschbecken sowie ein wandhängende Toilette installiert. Die Innenwände wurden in Trockenbauweise auf der Holzbalkendecke errichtet und waren als Metallständerwande mit doppellagigen, je 12,5 mm dicken Gipskartonplatten und dazwischen liegender Mineralwolle ausgeführt. Die Decke bestand aus Nadelholzbalken mit Mineralwolldämmung und einer darunter liegenden Luftdichtheitsfolie. Auf der Oberseite waren 22 mm starke Spanplatten (keine V 100 G) verlegt, auf denen direkt der Fliesenboden aufgebracht war.

 

Schadensbild bei Ortstermin

Die Gipskartonbeplankung der Ständerwände war durchnässt. Die Spanplatten waren durch das Fehlen einer Abdichtung im Stoßbereich an den (zwischenzeitlich entfernten) Bodenfliesen stark aufgequollen. Die feuchtigkeitsbefallenen Flächen waren:

  • die Rückwand des WCs sowie die Vorwand bis etwa in Höhe des Waschbeckens,
  • die Bodenfliesen (bestehend aus 30/30 cm Keramikfliesen und zementgrau ausgefugt), sowie
  • die Wandfliesen (Größe 20/25 cm; mit einem waagrechten Fries aus Mosaikfliesen in etwa 1,30 m Höhe).

An der begehbaren Rückseite der WC-Trockenbauwand trat bereits eine sichtbare Schimmelbildung auf, und zwar direkt an der untersten Fliesenlage zum Boden hin. Eine weitere Schimmelbildung war auch im Bereich der Vorwand zum Waschbecken zu vermuten.

 

Demontierte Sanitärinstallationen Abb. 2: Demontierte Toilette sowie entfernte Bodenfliesen (Foto: Schlimmer)

 

Bei einem ersten orientierenden Ortstermin Mitte Mai 2011 ergaben erste Untersuchungen, dass eine Abdichtung an den Wänden und der Holzbalkendecke vollständig fehlte. Dazu wurde die Toilette demontiert und der Fliesenboden aufgenommen. Zudem wurde nach Rücksprache mit dem Versicherer eine Sanierungsfirma mit einbezogen und ein weiterer Ortstermin Ende Mai 2011 vereinbart, bei dem mit der Trocknung begonnen wurde.

Eine „sichtbare“ Schimmelpilzbildung war zwischenzeitlich auch an der Rückseite der Gipskartonplatten sowie am Anschlussprofil zur deckenseitigen Spanplatte entstanden. Es handelte sich um einen „noch aktiven Schimmelpilzbefall“, der sich im Laufe der Zeit in seiner flächigen Ausdehnung noch erweitet hätte. Deshalb wurde eine sofortige Trocknung bzw. der Ausbau der schimmelpilzbefallenen (kontaminierten) Flächen angeordnet. Eine Ausbreitung des Schimmelbefalls wurde auch im Bereich der Vorwand zum Waschbecken (nicht zugänglich) vermutet.

 

Wasserfolgeschäden Abb. 3: Wasserfolgeschäden hinter dem WC mit Schimmelpilzbildung auf der Rückseite der Gipskartonplatte und der Spanplattenbeplankung (Foto: Schlimmer)
Feuchtigkeitmessung Abb. 4: Feuchtigkeitmessung auf der Spanplatte des Fußbodens im WC. Am Stoß ist die Spanplatte nach oben aufgequollen. Mit 82 Digits war die Oberfläche als „nass“ einzustufen. (Foto: Schlimmer)

 

Erste Sofortmaßnahmen

Folgende Maßnahmen wurden zur sofortigen Ausführung angeordnet:

  1. Abschottung des Bades von den übrigen Räumen mittels einer Folienwand
  2. Ausbau der schimmelbefallenen Wände
  3. Ausbau der Spanplattenbeplankung der Holzbalkendecke bis 50 cm in den Rückraum hinter WC und Dusche
  4. Erneute Prüfung der zwischenzeitlich schimmelbefallenen Holzkonstruktion/Holzbalken nach dem Rückbau
  5. Erneuerung der Fliesen am Boden und im Wandbereich, ggf. Erneuerung der Mineralwolle
  6. Erneuerung von ca. 20 m² Anstrich (notwendig wegen der Verschmutzung durch die Sanierung)
  7. Erneuerung von ca. 15 m² orangefarbenem Anstrich an der Wandaußenseite (da luftdichter Abschluss infolge des Schimmelbefalls an der Rückseite des WCs nicht sofort durchzuführen war)
  8. Nach Demontage der C-Profile aller Leichtwände externe Schimmelpilzbeseitigung nach UBA-Schimmelpilzleitfaden auf einer Fläche von ca. 4,0 bis 6,0 m²

Eine erste Schätzung ergab Kosten in Höhe von ca. 6.000 Euro (brutto) für diese Arbeiten.

 

Grundskizze Abb. 5: Grundrissskizze mit Eintragung der Situation (Grafik: Schlimmer)

 

Verantwortlichkeit für den Schaden

Eine valide Ursachenforschung kann naturgemäß nur am Tag des Schadenseintritts selbst erfolgen. Verantwortlichkeit für den Wasserschaden ist jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Installateur, denn der Wasseraustritt entstand durch den nicht dichtschließend in die dafür vorgesehene Muffe eingepassten Gummiring.

 

Vorläufige Schadenshöhe

Die Kosten für die Beseitigung des Schadens betragen geschätzt:

Kosten Trockenbau 2.000,00 €
Erneuerung der Fliesen 1.200,00 €
Rückbau der Wände, Decke, Schimmelbeseitigung und Trocknung 3.500,00 €
Malerarbeiten 1.000,00 €
Gesamtschadenshöhe inkl. Mehrwertsteuer 7.700,00 €

 

Sanierungsmaßnahmen

Nachdem die Trocknung soweit abgeschlossen war, wurde der Beschädigungsgrad der Holzbalken während eines weiteren Ortstermins im August 2011 gemeinsam mit dem Sanierungsunternehmen festgestellt. Inzwischen lag auch der Laborbericht der mikrobiologischen Untersuchung auf Schimmelpilze vor. Darauf basierend ergaben sich folgende Ergebnisse und Maßnahmen:

  1. Die Trocknung ist soweit abgeschlossen. Es wurden Feuchtigkeitswerte von 22 – 28 Digits auf der Spanplattenoberseite gemessen, was bedeutet, dass sie getrocknet ist.
  2. Die Spanplatte ist schimmelbelastet, hat sich aufgewölbt und muss auf die gesamte Fläche des WCs erneuert werden, einschließlich dem Fliesenbelag.
  3. Die Rigipsmontagewand (Vorwand) muss komplett bis zu der Wand Nr. 1 (bis zur Wand neben dem Waschbecken) entfernt werde.
  4. Die C-Profile der Trockenbaukonstruktion sowohl am WC als auch an der Waschbeckenvorwand müssen komplett entfernt werden, weil sie auf der Spanplatte aufstehen. Dadurch behindern sie die De- und Remontage der Spanplatten. Zudem hat sich zwischen dem auf der Spanplatte montierten C-Profil und der Spanplatte ein Schimmelpilzbefall eingestellt. Vor diesen Arbeiten muss das Waschbecken demontiert werden.
  5. Die Trockenbauwand und die Vorwand für das Waschbecken müssen neu errichtet und verfliest werden. Anschließend kann die Remontage des WCs und des Waschbeckens erfolgen.
  6. Weiter ist eine Abschottung an dem Türdurchgang (Tür nicht eingebaut) erforderlich und wird durchgeführt, um eine weitergehende Sporulation der Schimmelpilze/Sporen in die angrenzenden Räume zu vermeiden.
  7. Die Feinreinigung (Absaugung der Bauteiloberflächen von Wänden, dem Boden, Dachschrägen, Fenstern usw. ) ist nach der Schimmelsanierung, also nach den Arbeiten laut den Punkten 1 bis 4, erneut durchzuführen. (Eine Desinfektion des Raums nach den Sanierungsrichtlinien ist erforderlich, um auch noch später auftretende Gesundheitsbeeinträchtigungen der Nutzer auszuschließen. Das Labor ermittelte dafür bei einer Luftmessung mit 2.300 KBE/m³ ein mittleres Risiko, das nach DIN EN 14988 bereits ab einer Sporenkonzentration von 1.000 KBE/m³ gegeben ist).
  8. Der Einbau eines Holzbalkens ist zur Stabilisierung und Auflagerung der Spanplatten unter der Stoßstelle erforderlich.
  9. Die Holzbalkenauflager (Köpfe) sind ebenfalls mit Schimmelpilz befallen und müssen nach Rücksprache mit dem Statiker abgeschliffen werden. Die angrenzenden Bauteile müssen danach feingereinigt werden.
  10. Nach Abschluss der Schimmelsanierung wird eine Messung durchgeführt, damit von einer Schimmelfreiheit ausgegangen werden kann. Erst nach Freigabe des Sachverständigen kann mit dem Wiederaufbau begonnen werden, wobei ausdrücklich auf die fehlende Abdichtung hingewiesen wird. (In diesem Fall war mit ausdrücklicher Zustimmung des Bauherrn nur noch eine Abdichtung im Verbund nach ZBD-Merkblatt möglich.)

 

Schimmelpilzbefall an Holzbalkendecke Abb. 6: Feuchtegeschädigte und schimmelpilzbefallene Holzbalkendecke nach Ausbau der Mineralwolle (Foto: Schlimmer)

 

Fazit

Der Gesamtschaden belief sich mit Schimmelpilzsanierung und nachträglichem Einbau einer Abdichtung im Verbund auf insgesamt knapp 20.000 Euro. Davon übernahm die Versicherung etwa 50 %; der Rest verblieb beim Bauherrn, da keine Abdichtung des Bades erfolgt war.

Die fehlende Abdichtung gemäß ZDB-Merkblatt "Hinweise für die Ausführung von Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich - Stand Januar 2005" wurde als geltende und "vom Bauherrn zuzustimmende Ersatzregelung" nicht beachtet (von einer normativen Abdichtung nach DIN 18195 ganz abgesehen). Wären eine flächige Abdichtung und das Einbinden der Installationsdurchdringungen (hier der Abflussleitung) mit einer Dichtmanschette durchgeführt worden, wäre der Schaden deutlich geringfügiger ausgefallen.

 

Autor: Dipl.-Ing. Roland Schlimmer

 

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