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Bauschäden fachgerecht sanieren

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Detailschäden an Flachdächern

Dokumententyp: Fachbeitrag

Schaden Flachdach
© J. Lech
Bereits bei der Planung sind eine Vielzahl von Detaillösungen (wie Dachrand und Wandanschlüsse, Anschlüsse an Dachluken, höher liegende Bauteile, die Eindichtung von Dachdurchbrüchen wie Kaminen, Lüftern, Lichtkuppeln, etc.) zu erfassen und gemäß den Vorgaben der geltenden Normen und Richtlinien (z. B. DIN 18531 – Dachdichtungsarbeiten, DIN 1055 – Lastannahmen im Hochbau) in einem Leistungsverzeichnis ausreichend zu beschreiben. Denn die Planung und die Ausführung der Dachdetails entscheiden unmittelbar über eine erfolgreiche Abdichtungslösung.

 

Darüber hinaus sollten langfristig gesehen bestimmte Wartungsdetails vermieden werden, wie Abdichtungen mit spritzbaren, aber nur begrenzt haltbaren Dichtungsmassen, Spachtelabschlüsse (Detaillösungen mit lösungsmittelhaltigen, bituminösen, spachtelbaren Dichtungsmassen) oder Materialwechsel, die ggf. zu Materialunverträglichkeiten führen können.

An- oder Abschlüsse sollten wenn möglich aus der wasserführenden Ebene herausgehoben werden und ggf. zusätzlich gegen mechanische Belastungen, UV-Strahlung, Hagel, Schnee oder Regen z. B. mit einer Abdeckung geschützt werden.

 

Mangel am Dachrand

Abb. 1: Mangel am Dachrand – die Bitumenbahnen wurden aus der Fläche ohne Absetzen auf den Dachrand geführt. Die Dachbahn stellt sich nach dem Verschweißen (ggf. Jahre später) wieder zurück (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Regenerierungsanlage

Abb. 2: Im Rahmen der erfolgten Instandsetzung wurde eine Regenerierungsanlage - allerdings unzureichend, ohne ausreichende Lagesicherheit aufgeschweißt. Die daraus resultierenden Faltenbildungen haben zu einem Aufscheren der Nähte, verbunden mit Undichtigkeiten geführt. (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Gemäß den Forderungen der Fachregeln und im Sinne einer handwerklichen Dichtungslösung sollten die Detailpunkte zudem einen Mindestabstand von 30 cm untereinander aufweisen. Da dies aber besonders bei Industrieanlagen nur selten der Fall ist, sind konstruktive Maßnahmen erforderlich, wie z. B.:

  • das Zusammenfassen mehrerer Durchbrüche,
  • die Verlegung der Durchbrüche (z. B. in der Wärmedämmung)
  • oder das Herausheben des Dichtungsanschlusses (z. B. mit Dämmstoff).

Dies ist bei kleinformatigen Durchbrüchen (Lüftern, Lichtkuppeln oder Absturzsicherungen) durch relativ kleine konstruktive Maßnahmen wie eine umlaufende Dämmstoffplatte ohne großen Aufwand möglich. Eine direkte, längerfristige Belastung durch Wasser, Schnee, etc. wird so am Dichtungsanschluss vermieden.

Selbstverständlich lässt sich nicht jedes Detail ohne entsprechenden Aufwand lösen (Deckendurchbrüche, Verlegen der Strangrohre etc.). Es gehört zu den Pflichten des Auftragnehmers, dieses bei der Konzeptionierung der Sanierungslösung vorab zu klären oder den Auftraggeber auf die Notwendigkeit einer Prüfung hinzuweisen.

Einige Detailpunkte, welche auf fast jeder Dachfläche vorhanden sind und oftmals zu Problemen führen, werden im Folgenden näher betrachtet.

Dachrandan- und -abschlüsse

Bei Dachrandanschlüssen handelt es sich i. d. R. um den Anschluss der Dachabdichtung, z. B. in Form eines Wandanschlusses, der an einem aufgehenden Bauteil (z. B. über die Dachkante geführte Fassadenteile) hochgeführt und fixiert wird. Hier ist darauf zu achten, dass die Wandelemente für die entsprechende Eindichtung geeignet sind (stabiler, flächiger Untergrund) und ein Hinterlaufen oder ein Wassertransport z. B. durch die Fugen von Fertigteilen ausgeschlossen wird. Im Zweifelsfall sind diese Elemente bis zur Außenkante einzudichten oder über dem Dichtungsanschluss zu bekleiden.

Dachrandabschlüsse sollten Hochpunkte darstellen, damit das Wasser nicht über die Dachkante getrieben und dort verfärbt durch Ablagerungen oder Auswaschungen an der Fassade herunterläuft. Dort könnte es sonst nicht nur optische, sondern auch bautechnische Spuren (Durchfeuchtungen) hinterlassen. Die Ausbildung kann z. B. als Attika erfolgen (konstruktive Erhöhung des Dachrandes mit Fertigelementen, durch Hochführen der Wandelemente, durch Aufbohlen des Dachrandes, etc.). Die Dachabdichtung sollte bei diesem konstruktiven Detail über die Attikakrone hinweg geführt werden, ggf. bis über die Unterkante der Holzbohle (Feuchtigkeitsschutz).

Ein zusätzlicher mechanischer Schutz und eine zusätzliche Sicherung gegen ein Abrutschen der Dachabdichtung, können durch eine mechanische Fixierung an der Vorderkante (z. B. mit einem Nagelband) oder eine Mauerabdeckung erfolgen. Diese sollte gemäß den Forderungen der DIN 18531 und den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks von der Dachabdichtung getrennt montiert und dachseitig geneigt sein.

Ein spannungsausgleichender Dachabschluss kann durch die Trennung zwischen Dachabdichtung und Metallprofil durch Fugen gewährleistet werden. Zwischen der Dachabdichtung und der durch thermische Längenänderung zu erwartenden spannungsreichen Metallabdeckung sollte kein kraftschlüssiger Verbund bestehen.

Eine andere Variante im Bereich der spannungsfreien Dachabdichtung im Dachrandbereich sind mehrteilige Dachrandprofile. Diese bestehen je nach Ausführung aus einem Grund- und einem Klemmprofil (Einklemmen der Dachabdichtung) oder aber aus mehrteiligen, variableren Konstruktionen mit Haltern-, Stütz- und Gleitprofilen sowie der individuell zu gestaltenden Blende.

Weitere Forderungen von DIN-Normen und Fachregeln sind:

  • Überprüfen der Unterkonstruktion bzw. des einzudichtenden Elements auf seine Eignung (siehe VOB)
  • Lineare Fixierung im Kehlbereich zum aufgehenden Dachrandabschluss
  • Ggf. dampf- bzw. winddichter Anschluss der Funktionsschichten und der Abdichtung
  • Ausbildung des An- bzw. Abschlussbereichs mit separaten Anschlussstreifen (mehrteilig)
  • Höhe des Dachrandabschlusses:
    • bei Dachneigung bis 5 Grad mind. 10 cm
    • bei Dachneigung über 5 Grad mind. 5 cm
    • über Oberfläche Belag (Kiesschicht, Plattenbelag, Dachbegrünung etc.)
  • Dachseitiges Gefälle (= Brüstungsabdeckung)
  • Überstand des fassadenseitigen Schenkels des Abdichtungsprofils je nach Gebäudehöhe von 5 bis 10 cm
  • Kein kraftschlüssiger Verbund der Metallprofile zur Abdichtung
  • Minestabstand des fassadenseitigen Schenkels in der Waagerechten zur Fassadenkonstruktion mind. 2 cm (abtropfendes Wasser etc.)

ACHTUNG: Ggf. ist ein statischer Nachweis für die Befestigung des Dachrands erforderlich! Lassen Sie sich vom Hersteller objektbezogen beraten.

 

Ablauf

Abb. 3: Abläufe sollen zur Wartung frei zugänglich sein (auch Wasser sollte dorthin gelangen können) (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Ein Beispiel aus der Praxis

Bei einem Schaden wurde das Dachrandprofil, montiert an einem Flugzeughangar (laut. Gutachter nicht ausreichend befestigt!), bei einem Sturm losgerissen und beschädigte mehrere, auf dem Flugplatz befindliche Sportmaschinen. Die Schadenshöhe betrug ca. 500.000,- DM.

Der Versicherer lehnte aufgrund der aus seiner Sicht unterdimensionierten Befestigung die Schadensregulierung für den Dachdecker ab.

Wandanschlüsse und bauseitige Anschlüsse an Durchdringungen

Wie bereits erwähnt, ist der Detailpunkt „Wandanschluss“ oder besser „Anschluss an aufgehende Bauteile“ in der Abdichtungstechnik an verschiedensten Bauteilen und Variationen zu finden.

Standardmäßig werden Wandanschlüsse an aufgehenden Bauteilen, wie z. B. an Fassaden, Kaminen, Lüftern (Kasten), aber auch an Runddurchbrüchen (Lüftern, Rohren, Stützen, etc.) ausgeführt. Aus der Beanspruchung dieses Details ergeben sich die folgenden konstruktiven Varianten:

Der bewegliche, zweiteilige Wandanschluss

Dieser sollte an Übergängen von starren zu beweglichen, bzw. zwischen zwei beweglichen Baukörpern ausgebildet werden und ist in der Lage, die auftretenden Spannungen auszugleichen.

Die Anwendung ist sinnvoll, wenn z. B. Anschlüsse an bewegliche Bauteile oder zwischen einer sich durchbiegenden Schale und einem starren Bauteil (z. B. ein Kamin) ausgeführt werden sollen. Aber auch beim Anschluss an hoch temperierte Rohre oder Lüfter ist eine solche Ausführung sinnvoll. Da es hier auf Dauer zu einer Schädigung des Anschlussmaterials kommen kann, ist die Abdichtung ggf. mit einem Dämmstoffstreifen von der Anschlussfläche zu trennen, oberseitig (z. B. mit einer Edelstahlschlauchschelle) zu fixieren und der oberseitige Spalt regendicht abzudecken.

Der starre, einteilige Wandanschluss

Flexible Materialien, aber auch der standardisierte, mehrteilige Dichtungsanschluss mit separaten Anschlussstreifen und der mehrlagigen Sicherheit im kritischen Übergangsbereich (Kehle) ermöglichen in ca. 95 % der geforderten Detaillösungen diese Standardversion. Die Flächenabdichtung wird dabei bis zur Oberkante des einzubringenden Keils (10 x 10 cm) lose am aufgehenden Bauteil hochgeführt und durch den Anschlussstreifen, der von der Oberkante des Anschlusses bis in die ebene Dachfläche geführt wird, noch einmal überdeckt. So ermöglicht man in diesem (durch verschiedene Materialien und Bauteilbewegungen bedingt) hoch beanspruchten Übergang eine Entspannungszone.

Auch hier ist im Bereich der flächigen, ebenen Abdichtung, wie an der Oberkante des Anschlussstreifens zur Lagensicherung eine mechanische Fixierung erforderlich.

Weiter sollten folgende maßgebliche Forderungen berücksichtigt werden:

  • Die Anschlusshöhe
    • bei Dachneigung bis 5 Grad mind. 15 cm
    • bei Dachneigung über 5 Grad mind. 10 cm
    • über Belag (Dachbegrünung, Kiesschüttung etc.)
  • Die lineare Fixierung an diesen Durchbrüchen (hier sind erhöhte Windsoglasten durch Verwirbelung zu erwarten)
  • Die Sicherung der Bahnen gegen ein Abrutschen, wie ein regensicherer, oberseitiger Abschluss (z. B. ein Wandanschlussprofil), ggf. mit einem zusätzlichen, ins Mauerwerk eingelassenen Z-Profil zur Abdeckung dieses Bereichs
  • Der Dichtungsanschluss sollte im Falle einer folgenden Fassadenverkleidung unter dieser enden. Dies ermöglicht die sichtbare Kontrolle und spart Kosten für Demontagearbeiten (Fassadenverkleidung) bei folgenden Sanierungen.
  • Als Wandanschlussprofile sollten geeignete, biegesteife, profilierte, wie z. B. Aluminumschienen, mit einem max. Befestigungsabstand von 20 cm zum Einsatz kommen.
  • Bei Kunststoffbahnen (geringe Dicke) sind herstellerbedingte Verlegedetails, z. B. mit beschichteten Formteilen zu verwenden.

 

Standfestigkeit

Abb. 4: Standfestigkeit – Zustand vor dem Anschließen der Abdichtung prüfen; ggf. Bauteil erneuern/entfernen (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Anschlüsse an Durchdringungen

Im Gegensatz zu den vorherigen Punkten, wo es sich i. d. R. um bauseitige Konstruktionen handelt, haben wir es hier mit werksseitig vorgefertigten, aus temperaturempfindlichen Werkstoffen (nicht objektbezogen gefertigten) geformten Bauteilen zu tun.

Die Eindichtung dieser, sich i. d. R. in der Entwässerungsebene befindlichen Bauteile, erfolgt auf vorgefertigten Klebeflanschen, Manschetten, o. Ä.

An diesen Anschlüssen kommt es aufgrund ihrer Lage, aber auch verschiedener Werkstoffkombinationen, der leichten Verformbarkeit (Temperaturstabilität) oder auch der Eigenheit der verwendeten Werkstoffe (Spannungen bei Metallen, bzw. der Dichtungsmaterialien) nicht selten zu Materialunverträglichkeiten und Undichtigkeiten. Oftmals zeigen sich solche Wechselwirkungen erst Jahre später.

Folgende maßgebliche Forderungen sind zu berücksichtigen:

  • Das einzubauende Bauteil muss die Anforderungen des Wärmeschutzes erfüllen und für die gewählte Eindichtungsart geeignet sein.
  • Der Klebeflansch muss eine Größe von ≥ 12 cm aufweisen und für die gewählte Eindichtungsart geeignet sein (ggf. vorgefertigte Anschlussmanschetten in gleichen oder kompatiblen Materialien, Schraubflansche, etc.).
  • Die lineare Fixierung an diesen Durchbrüchen (hier sind erhöhte Windsoglasten durch Verwirbelungen zu erwarten) ist ausreichend zu dimensionieren.
  • Zu erwartende, werkstoffbedingte Spannungen an den Anschlüssen sind bereits bei der Eindichtung, bzw. der Wahl der Dichtungsmaterialien zu berücksichtigen. Ggf. ist ein spannungsausgleichender Schleppstreifen einzubauen.
  • Dämmstofflücken sind zu vermeiden.
  • Die Dampf- und/oder Luftsperre ist am Bauteil ausreichend hochzuführen (> OK Dämmstoff) und dort dicht zu verwahren.

Im Anschlussbereich der Abdichtung an Durchbrüche hat sich (soweit möglich) das Herausheben des Dichtungsabschlusses, z. B. von Lichtkuppeln ≥ 5 cm bewährt. Herzustellen durch eine Erhöhung der Unterkonstruktion oder einen umlaufenden, abgeschrägten Dämmstoffstreifen, bzw. Keil.

Nicht selten hat der Versuch der Eindichtung, z. B. von Aufsatzkränzen der Lichtkuppeln bis an die Lichtkuppelschale (mit Bitumenbahnen) zu einer Schädigung der sensiblen, oftmals nicht sichtbaren Dichtungen, aber auch der Lichtkuppelschalen selbst geführt.

Anschlüsse an wasserführende Bauteile

Galt in den vorherigen Detailpunkten der Grundsatz: „Wo kein Wasser hinkommt, da läuft auch keines hinein“ im positiven Sinne, so kehrt sich dieser in den nachfolgenden Detailpunkten ins Negative um.

Entgegen den Grundforderungen der allgemein anerkannten Regeln der Technik sind bei dem Sonderfall der außenliegenden Entwässerung (Dachrinne) die Eindichtung von Metallteilen (Traufblech) sowie ein kraftschlüssiger und dichter Verbund erforderlich. Grundlegend gilt in diesem Fall die Forderung, ein durchgehendes und ausreichendes Gefälle (laut Flachdachrichtlinie im Normalfall 2% vom Hochpunkt bis zum Tiefpunkt Entwässerung) herzustellen, wobei diese Forderung nur selten „konsequent“ eingehalten wird.

Im Bereich der Dachrinne bedeutet dies:

  • Absenken der Traufbohle bzw. Einlassen der Rinneneisen in die Traufbohle.
  • Berücksichtigung der nachfolgenden Lagen bzw. des mehrteiligen Anschlusses wie z. B. des zusätzlichen Schleppstreifens, am Übergang Traufblechkante zur Dachfläche (= Spannungsausgleich)
  • Anschluss ggf. mit einer Kehlbahn (Minimierung der Nähte im wasserführenden Bereich)

Zu beachten ist, bei der Verwendung von Metallen (Dachrinnen o.Ä.) auch der Korrosionsschutz, wenn Bitumenbahnen oder andere Abdichtungssysteme eingesetzt werden, bei denen chemische Substanzen über Jahre aus der Bahn herausgewaschen werden können.

Beim Anschluss an die punktuelle Entwässerung (Dachgullys) ist besonders darauf zu achten, dass es sich bei den geplanten Tiefpunkten auch wirklich und auf Dauer um Tiefpunkte handelt – hier besteht die Gefahr der Durchbiegung der Unterkonstruktion. Die Gefahr eines Wasserstaus, vor den Abläufen kann u. a. durch das Absenken des Dämmstoffs (z. B. in einem Bereich zwischen 0,5 und 1,00 m2 rund um den Dachablauf) gemindert werden.

Der Anschluss an den Ablauf sollte mit materialkompatiblen Materialien oder direkt mit der Flächenabdichtung mittels eines Klemm- oder Schraubflansches erfolgen. Eine integrierte Wärmedämmung ist für eine dauerhafte Funktion entscheidend.

Eine mechanische Fixierung um den Dachablauf dient der Lagesicherheit und sollte in Bezug auf eine Rückstellung der Abdichtungsmaterialien, Windsog, etc. unbedingt erfolgen. Die Praxis zeigt, dass so manches Dach z. B. nach einer Verschiebung des Dachschichtenpakets (Dämmstoffwanderung, Schrumpf) in die Innenräume oder die Sicken der Stahltrapezprofilbleche entwässert wurde. Darüber hinaus sind die Bestandteile der Abläufe (Grund- und Aufstockelement) im Untergrund fest zu verankern.

In Eigenregie gefertigte Metalleinsätze, Flansche oder Gullys sind nicht nur aus dichtungstechnischer, sondern auch aufgrund der nicht definierten Entwässerungsleistung einer meist nicht gegebenen Rückstausicherheit bedenklich und entsprechen nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik.

Die Bemessungen der erforderlichen Dachabläufe bzw. der Entwässerungskonstruktionen werden durch die DIN 1968 gemäß der Dachneigung und der Fähigkeit der Regenrückhaltung (z. B. bei bekiesten oder begrünten Dächern) vorgegeben.

 

Dachablauf

Abb. 5: Blick in einen Dachablauf: Reinigung, ggf. Instandsetzung erforderlich. Bei einer Sanierung ist auch die Dachentwässerung zu prüfen. (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Instandsetzung

Abb. 6: Instandsetzung nach Analyse und Planung: ausreichende Anschlusshöhen, Abdichtung am Mauerwerk (nicht an der Vorsatzschale) hoch geführt, deutlich geringerer Wasserbestand, Notüberläufe vorhanden. (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Alt und Neu Abb. 7: Alt (bekiest) und Neu: Partieller Gefälleausgleich mit Heißbitumen erfolgt. Eine unterseitige Aluminiumbekleidung sichert den Zugang zu den Anschlussbahnen. (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Praxistipps


An- und Abschlüsse sind in einer Vielzahl auf fast jeder Dachfläche zu finden. Ihre fachgerechte Eindichtung, das langfristige Verhalten der gewählten Materialien, etc., entscheiden oftmals über die Funktion des Dachs und seine Rentabilität (z. B. bei späteren Sanierungen).

Besonders bei Sanierungen sind folgende Punkte zu beachten:

  • Kann durch angrenzende ggf. freiliegende Bauteile, Fugenkonstruktionen, Öffnungen etc. Wasser aufgenommen werden, das ggf. bei vorgehängten Fassadenkonstruktionen (Klinker) zu einem Hinterlaufen der Abdichtung führen kann?
  • Sind an den freiliegenden Bauteilen Haarrisse vorhanden? Hat bereits eine Vermoosung stattgefunden? Sind Verfärbungen erkennbar?

Hier ist mit einer Feuchtigkeitsaufnahme des Bauteils und einem Hinterlaufen der Abdichtung zu rechnen. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Bekleidung oder Eindichtung dieser ggf. schon geschädigten Bauteile zu sanieren, auch wenn es noch nicht zur Durchfeuchtung gekommen ist.

  • Ist der einzudichtende Untergrund, besonders im vertikalen Bereich, ausreichend standfest und für eine erneute Abdichtung geeignet?

Zu oft wird die Wärmestandfestigkeit alter Oxydationsbitumenbahnen bzw. deren Haftung zum Untergrund überschätzt. Die hier oftmals aufgebrachten neuen Abdichtungen überfordern die alten Deckschichten. Es kann, besonders an der Südseite (Sonneneinstrahlung), zu Abrutschungen kommen.

  • Welche Wärmebelastungen treten z. B. an Rohren oder Lüftern durch Dampf- oder Wärmeübertragung aus dem Innenraum auf?

Eine erhöhte Wärmebelastung (Aufheizen der u. U. vorhandenen Metallteile) kann zu einem Abrutschen der Abdichtung bzw. zu Undichtigkeiten führen.

  • Sind ausreichende Anschlusshöhen vorhanden?

Man sollte sich genau nach dem Aufbau der, ggf. durch andere Firmen aufgebrachten, Nutz- oder Schutzschichten erkundigen.

  • Ist die vorhandene Entwässerung ausreichend und intakt?

Die anerkannten Regeln der Technik fordern eine Überprüfung der Entwässerung bei jedweder Instandsetzung und Sanierung. Darüber hinaus können Schäden an den bestehenden Entwässerungseinrichtungen vorhanden sein. Ebenso kann es sein, dass diese nach den nun geltenden Normen und Richtlinien nicht ausreichend sind. I. d. R. ist eine Notentwässerung einzubauen.

  • Sind die An- und Abschlusshöhen ausreichend bemessen?

Bemessungen der Anschlusshöhen beginnen erst an der Oberkante des Schutz- oder Nutzbelags (im Zweifelsfalle oberhalb der Kiesschicht, der Begrünung oder der Betonplatte).

Fazit

Detaillösungen bei Dachabdichtungen erfordern neben der Kenntnis der Fachregeln auch Materialkenntnisse, handwerkliches Geschick und ggf. den Blick über das Gewerk Dach hinaus. Die Praxis beweist, dass die billige Lösung oftmals bereits nach kurzer Zeit die teurere ist und aufwendige Sanierungsmaßnahmen an bereits geschädigten Bauteilen (ggf. in Verbindung mit einer erforderlichen Beweisführung des Auftragnehmers) nach sich ziehen.

 

Jürgen Lech, Sachverständiger – BFD, Büro für Dachtechnik

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