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Denkmalgerechte energetische Sanierung einer Leipziger Jugendstil-Villa

Dokumententyp: News

Die Fassade des denkmalgeschützten Jugendstilgebäudes
Foto: Knauf/Peter Eichler
Das mineralische, kapillaraktive Innendämmsystem TecTem® Insulation Board Indoor von KNAUF AQUAPANEL in Zusammenspiel mit dem Kalkputzsystem Knauf Rotkalk trug dazu bei, eine denkmalgeschützte Jugendstil-Villa in Leipzig vor dem Verfall zu retten. Durch den Einsatz von Flächentemperiersystemen entstanden Räume, die alle Anforderungen an modernen Wohnkomfort erfüllen.

 

Lange Zeit bot die über 125 Jahre alte Jugendstil-Villa in der Demmeringstraße im Leipziger Stadtteil Lindenau ein bedauernswertes Bild. Das ungenutzte Gebäude zerfiel, obwohl es aufgrund seiner Fassade unter den Fittichen der Denkmalschutzbehörde stand. Indes war die Hoffnung nicht mehr allzu groß, einen Käufer zu finden, der sich dem Kleinod annehmen würde, um es aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Zuletzt war in den 1960er-Jahren versucht worden, das dreigeschossige Wohnhaus zu modernisieren, was jedoch aufgrund ungeeigneter Methoden und Baustoffe den Zustand des Hauses nur verschlimmbesserte. Inzwischen regnete es durch das undichte Dach, das Gebälk und die alten Dielenböden begannen zu verrotten, und vom feuchten Keller aus drohten Fäulnis und Schwammbefall das Mauerwerk und andere tragende Bauteile zu zersetzen.

Das Schicksal der Villa schien besiegelt, bis die Architektin Katja Czogalla das Haus schließlich im Mai 2012 erwarb, um es instandzusetzen. Neben der Anpassung der Grundrisse galt das Augenmerk dem energetischen Konzept, das neben einer kapillaraktiven Innendämmung aus Perlite-Dämmplatten auch eine Flächenheizung in Trockenbauweise an den Wand- und Deckenflächen vorsah.

 

Die Fassade des denkmalgeschützten Jugendstilgebäudes mit ihren prägenden Gesimsbändern.

(1) Die Fassade des denkmalgeschützten Jugendstilgebäudes mit ihren prägenden Gesimsbändern. Um den Wärmeverlust über die Außenwände zu begrenzen und für Behaglichkeit zu sorgen, kam hier nur eine Innendämmung in Frage. (Foto: Knauf/Peter Eichler)

 

Mineralisches, kapillaraktives Innendämmsystem mit Rotkalkputz

Als Wärmeschutz für die Außenwände kam aufgrund der strukturierten Fassade mit Friesen und den verbliebenen Gesimsen nur eine Innendämmung infrage. Um zugleich ein angenehmes Raumklima zu schaffen, entschied sich die Architektin für eine kapillaraktive Innendämmung aus Perlite-Dämmplatten, die anschließend verputzt werden sollte. Ausgeführt wurde das TecTem® System von KNAUF AQUAPANEL in 50 mm Dämmstärke. Als Oberputz wünschte sich die Bauherrin einen Kalkputz aus dem Rotkalk-System von Knauf, der in der Lage ist, Raumluftfeuchte aufzunehmen und zu puffern. Alle in die Außenwände einbindenden Wände und Anschlüsse erhielten eine Wärmebrückendämmung, um der Schimmelgefahr aufgrund abfallender Oberflächentemperaturen zu begegnen.

 

Gedämmt und verputzt

Vor dem Anbringen des Innendämmsystems wurden die inzwischen ausreichend trockenen Wandoberflächen von Altputzen, Spachtelungen, Anstrichen, Ausblühungen und Staub befreit. Unebene Stellen auf den Wänden konnten mit Rotkalk Grund und Rotkalk Fein egalisiert werden. Ein an Fußboden und Decke angebrachter Entkoppelungsstreifen gewährleistet, dass es zu keinen Spannungen mit den schwingenden Holzdecken kommt.

 

Der Untergrund wurde mit Knauf Rotkalk Grund ausgeglichen.

(2) Der Untergrund wurde mit Knauf Rotkalk Grund ausgeglichen und damit für die Innendämmung vorbereitet. (Foto: Knauf/Peter Eichler)

 

Zum Ankleben der Dämmplatten - mit einem Mindestplattenversatz von mehr als 20 cm - wurde der TecTem® Klebespachtel mithilfe eines groben Zahnspachtels vollflächig und mindestens 5 mm dick auf die Plattenrückseite aufgetragen. Passstücke und individuelle Plattenmaße schnitten die Monteure auf das passende Maß zurecht. Für einen luftdichten Anschluss der Dämmplatten an Fenster und Türen wurden zuvor systemgerechte Profile auf die Rahmen aufgeklebt und Fugenbänder eingepasst. Abschließend wurden Versatzstellen mit einem Schleifbrett egalisiert und offene Fugen (> 2 mm) mit TecTem® Grundierung vorbehandelt.

Nun konnte mit dem Verputzen der Innendämmung begonnen werden. Der erste Auftrag erfolgte in 5 mm Dicke mit Rotkalk Fein mit vollflächiger Gewebearmierung. Den Abschluss bildet ein gefilzter Oberputz aus dem Rotkalk-System, das je nach Körnung und Farbton unterschiedliche Oberflächenstrukturen ermöglicht.

 

Gedämmtes Bauteil.

(3) Gedämmtes Bauteil. Die Fensterlaibungen sind mit der zum System gehörenden Laibungsplatte gedämmt. (Foto: Knauf/Peter Eichler)

 

Flächenheizung in Trockenbauweise

Die Entscheidung, die Villa mit ihren insgesamt 235 Quadratmetern Wohnfläche über die Boden-, Wand- und Deckenflächen zu beheizen, basierte auf mehreren Überlegungen: Da man die berechnete Norm-Heizlast in Höhe von 17,2 kW mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe erzeugen wollte, brauchte es niedrige Vorlauftemperaturen und in der Folge ein Flächenheizsystem. Diese Raumtemperierung wollte die Bauherrin mit der Trockenbauweise kombinieren. Während herkömmliche Radiatoren einzeln und unter Putz mit Heizrohren für Vor- und Rücklauf hätten angefahren werden müssen, gelang dies dank Trockenbau ohne Schlitzeklopfen über die in den Gipsplatten integrierten und miteinander gekoppelten Rohre der Flächenheizungen an Wand und Decke. Alle vertikalen Stränge sind brandsicher in ausgedienten Kaminen untergebracht.

Die Beheizung der Räume im Erd- und Obergeschoss erfolgt über die Fußbodenheizung Uponor Siccus, die stellenweise zwischen den Holzbalken der Decke verlegt wurde, um schwellenlose Übergänge und einen gleichmäßig hohen Fußbodenaufbau zu ermöglichen. Da das Schlafzimmer im Obergeschoss fünf Zentimeter höher war, entschied sich die Bauherrin in diesem Raum für die Deckenheizung Uponor Renovis, um die Niveauunterschiede in dem Geschoss auszugleichen. Das System findet sich auch im Bad im Bereich der begehbaren Dusche, jedoch hier als Nasssystem sowie hinter den Schrägen im gedämmten Dachgeschoss.

Die einzelnen Panels des Uponor Renovierungssystem Renovis bestehen aus einer 15 mm dicken Gipsplatte, in die ein Uponor Kunststoffrohr PE-Xa 9,9 x 1,1 mm integriert ist. Die Elemente können – wie eine Trockenbauplatte – auf nahezu allen Untergründen an Decke oder Wand montiert werden.

In den Deckenelementen der 90 m² großen Dachgeschosswohnung sind neben den Heizungsrohren auch LED-Spots installiert. Eine rückseitige Auflage aus Mineralwolle verbessert hier den Schall- und Brandschutz.

 

Wandheizung auf Innendämmung und auf Mauerwerk unter Rotkalk-Putz

Die Wandheizung wurde in zwei weiteren Varianten ausgeführt: auf der Innendämmung TecTem® sowie direkt auf dem Mauerwerk.

Wird die Wandheizung auf der Innendämmung montiert, muss das Rohrregister aus Kunststoff vor dem Verputzen gefüllt und abgedrückt werden. Zur Befestigung dienen Halterungen mit Festpunkten im tragenden Untergrund sowie spezielle Befestigungsschienen. Danach sind die Heizrohre mindestens 10 mm dick mit dem Rotkalk Grund zu überputzen, wobei auch hier der Kalkputz die Kapillaraktivität der Dämmplatten unterstützt. Nach etwa zwei Wochen Standzeit konnte das Aufheizprogramm gemäß Herstellerangaben erfolgen. Erst danach wurde Rotkalk Fein als Armierungsmörtel in einer Putzdicke von rund 5 mm aufgetragen, in das auch ein Armiergewebe vollflächig eingearbeitet wurde. Den Abschluss bildete ein strukturierter Oberputz aus dem Rotkalk-System.

Ähnlich verlief auch die Montage der Wandheizung direkt auf dem Mauerwerk – hierbei wurde das Registersystem über Befestigungsschienen direkt auf der tragenden Wand fixiert. Alle weiteren Arbeitsschritte sind identisch mit der Montage auf einer Innendämmung.

 

Rotkalk Grund wird mit einer Überdeckung von 10 mm über die Rohre aufgetragen.

(4) Rotkalk umschließt die Heizrohre und sorgt für idealen Wärmefluss. Rotkalk Grund wird mit einer Überdeckung von 10 mm über die Rohre aufgetragen. Nach ausreichender Trocknung erfolgt eine vollflächige Gewebearmierung mit Rotkalk Fein. (Foto: Knauf/Peter Eichler)

 

Bautafel 
Objekt: Jugendstil-Villa in Leipzig, Demmeringstraße
Architektin/Bauherrin: Dipl.-Ing. Katja Czogalla, Leipzig
Energieberatung und -konzept, Baubetreuung: Stefan Preiß, Schwäbisch Gmünd
Heizungsanlage: Sanitär-Heizung-Umwelttechnik Andreas Berger, Neukirchen-Adorf
Fachberatung: Andrea Grond, KNAUF AQUAPANEL, Mirko Faethe, Knauf Gips KG
 
Verwendete Systeme 
Innendämmung: KNAUF AQUAPANEL, TecTem® Insulation Board Indoor
Innenputz: Knauf Rotkalk
Flächenheizung: Trockenbausystem Uponor Siccus Wand und Boden, Renovierungssystem Uponor Renovis (Wand und Decke) als Nassputz- und Trockenbausystem
 
Gebäude- und Energiekennwerte 
Gebäudetyp: Dreigeschossiger Wohnungsbau in Massivbauweise
Baujahr: 1885
Sanierung: 2012/2013
Gebäudenutzfläche AN: 389 m²
A/Ve-Verhältnis: 0,58
Fensterflächenanteil: 10 %
Endenergiebedarf: 24,74 kWh/(m²a)
Primärenergiebedarf: 68,96 kWh/(m²a)
Spez. Transmissions-wärmeverlust: 0,53 W/(m²K)

  

 

Quelle: Knauf Gips KG

 

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