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"der bauschaden"

Schadensursachen erkennen

Bauschäden fachgerecht sanieren

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Anspruchsvolle Balkone und Dachterrassen mit schweren Mängeln

Dokumententyp: Schadensfall

Planmäßige Bewässerung
© J. Lech
Ein mehrgeschossiges Wohnhaus im Rheinland hat fast 100 Balkone sowie Dachterrassen. Schon kurz nach der Fertigstellung des Neubaus tropfte es durch die Fugen der Balkonplatten – hierfür waren die Ursachen festzustellen.

 

Bei den vom Gebäude auskragenden Balkonen handelt es sich konstruktiv um ungedämmte Betonplatten. Ein Großteil der Balkonflächen ist überdacht, die Balkone des obersten Geschosses sind frei bewittert. Der Aufbau der Balkonflächen stellte sich im Wesentlichen wie folgt dar (von unten nach oben):

  • Betondecke
  • Trennlage/Vlies
  • Abdichtung aus einer PVC- Dachbahn, Dicke 1,5 mm
  • Trennlage/Vlies [1]
  • Bautenschutzmatte
  • Holzbelag (Bangkirai)

Bei den Dachterrassen handelt es sich konstruktiv um die gedämmten, oberseitig bewitterten und genutzten Betondecken. Diese sind frei bewittert, da sie sich über dem Obergeschoss befinden. Der Aufbau dieser Flächen stellte sich wie folgt dar (von unten nach oben):

  • Betondecke
  • Dampfbremse (PE-Folie)
  • Wärmedämmung aus Polystyrol
  • Trennlage/Vlies
  • Abdichtung aus einer PVC-Dachbahn, Dicke 1,5 mm
  • Trennlage/Vlies [1]
  • Bautenschutzmatte
  • Belag aus Betonplatten (auf Mörtelsäckchen)

Bereits beim ersten Ortstermin räumte das ausführende Unternehmen ein, dass es den Einbau der oberen Trennlage [1] – also des oberen Vlieses zwischen der Bautenschutzmatte und der Abdichtung – bei allen Balkon und Dachterrassenflächen vergessen habe.

Durch die Bautenschutzmatten, die laut Laboranalyse aus einem Recycling-Material bestehen und neben Bitumenanteilen auch Metallreste enthalten, wurde die Funktionsdauer der direkt darunterliegenden PVC-P-Abdichtung stark eingeschränkt, wobei der Hersteller der Abdichtungsbahn in diesem Fall nicht haftet.

Nachgefragt beim Hersteller der PVC-Bahnen stellt sich weiter heraus, dass diese nicht gegen Bankirai-Öle beständig sind. Auch war der Aufbau mit dem Holzbelag nicht vom Hersteller der Abdichtung auf Brandschutz geprüft worden. Somit lag kein Nachweis über den Widerstand des Dachschichtenpaketes gegen Brand von oben und die Beständigkeit gegen Flugfeuer und strahlende Wärme vor.

Die an den aufgehenden Bauteilen – vorrangig Tür- und Fensterelementen – hochgeführte Abdichtung wurde nicht mechanisch geschützt (wie es seitens der anerkannten Regeln der Technik gefordert ist). Dadurch besteht bei zukünftiger Nutzung die Gefahr der Beschädigung der Abdichtung.

Darüber hinaus wurde die Anschlusshöhe der Türen zwar auf zwei bis drei Zentimeter gemindert, doch es wurde keine direkte Entwässerung eingebaut (sonst hätte diese – regelgerecht - auf 5 cm reduziert werden können).

 

Nicht ausreichende Anschlusshöhe Abb. 1: Nicht ausreichende Anschlusshöhe (Soll: 15 cm), da Linienentwässerung nicht direkt an Entwässerung angeschlossen, Abdichtung nicht geschützt (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)
Planmäßige Bewässerung Abb. 2: "Planmäßige Bewässerung" von darüber liegenden Flächen, Abplatzungen am WDVS (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

An der Außenkante der Balkone wurde die Abdichtung in ein Verbundblech geführt, wobei sich hier zum Teil die Schraubenköpfe unter der Abdichtung abzeichnen.

 

Abschluss mit Verbundblechen Abb. 3: Abschluss mit Verbundblechen (Sollhöhe 10 cm) - Lagesicher? (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Die Windsicherheit dieser (Balkon-)Randkonstruktion, deren Anschlusshöhe durchweg nicht ausreichend war, wurde durch den Hersteller und den Dachdecker nicht geprüft und war nach diesseitiger Einschätzung auch nicht dauerhaft ausgeführt worden.

Der einzige Balkonablauf war zwar durch die Fugen des Holzbelags sichtbar, jedoch z. B. zu Wartungszwecken unerreichbar. Ebenso fehlte der seitens der allgemein anerkannten Regeln der Technik geforderte Notüberlauf.

 

Balkonablauf am Hochpunkt Abb. 4: Balkonablauf am Hochpunkt, verdreckt, nicht zu warten (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Die Holzkonstruktion selbst wurde auf überfüllten Mörtelsäckchen gelagert; der Mörtel war dadurch nicht frostsicher und seine Auswaschung versintert vorhersehbar den Ablauf.

 

Teilansicht des Nutzbelags Abb. 5: Teilansicht des Nutzbelags aus Bankirai, Mörtelsäckchen, Bautenschutzmatte (Foto: Jürgen Lech, BFD Essen)

 

Ein wesentliches Problem bestand in der Ortung der an der Unterseite sichtbaren Leckagen, da die Abdichtung über die gesamte Gebäudebreite und eine Vielzahl von Balkonen ohne Trennung/Abschottung verlegt worden war. So könnte Wasser je nach Gefällesituation

  • durch eine nicht ausreichend geschlossene Naht,
  • einen undichten Anschluss oder
  • eine mechanische Beschädigung

eingedrungen sein, sich unter der lose verlegten Abdichtung verteilt haben und ggf. an einem Durchbruch ausgetreten sein.

Die hier vorliegenden Ursachen waren in der beschädigten Abdichtung, nicht ausreichend verschweißten Nähten sowie in nicht ausreichend dichten An- und Abschlüssen zu finden.

Um solche Leckagen zu vermeiden, sollten zwischen den Balkonen Abschottungen und Dehnungsfugen geschaffen werden, mit der Ausbildung von Dehnungsfugen in Form von Schlaufen oder Erhöhungen. So wird zudem eine uneingeschränkte Verteilung des Oberflächenwasser über die Balkongrenzen hinaus verhindert, zukünftige Leckagen sind besser zu orten und Spannungen zwischen den Balkonplatten werden abgebaut.

Zusammenfassung

Die Abdichtung von Balkonen wird in den allgemein anerkannten Regeln der Technik als mäßig beansprucht eingestuft und könnte daher mit zahlreichen Abdichtungsstoffen (angefangen mit KMB, einer einlagigen Bitumenabdichtung, einer Kunststoffdachbahn) regelkonform ausgeführt werden.

Die Abdichtungsflächen bei wasserunterläufigen Systemen (i. d. R. alle Kunststoffbahnen, meist auch Bitumenbahnen) sollten, je nach Größe der Abdichtungsfläche in Felder eingeteilt werden – hier sind Abschottungen, ggf. an der Oberfläche Dehnungsfugenausbildungen erforderlich.

Vorrangig bei PVC-Kunststoff-Dachbahnen muss weiter beachtet werden, dass es zu Unverträglichkeiten zwischen den einzelnen Schichten, ggf. auch zu Beschädigungen kommen kann, wenn eine Trennlage fehlt.

Umso dünner die Abdichtung, umso wichtiger ihr Schutz. Letzterer sollte zügig, bereits im Rahmen der weiteren Baumaßnahme verlegt werden, damit die Abdichtung „überall“ gegen mechanische Einwirkungen, aggressive Reinigungsmittel, Öle, Brand o. Ä. geschützt ist.

 

Quellen

  • DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
  • DIN 1986 Grundstücksentwässerungsanlagen
  • Richtlinien für die Planung und Ausführung von Flachdächern und Abdichtungen – Flachdachrichtlinien
  • Leitfaden zur Abdichtung von Dächern, Balkonen und Terrassen mit Flüssigkunststoffen, Deutsche Bauchemie

 

Autor

Jürgen Lech, Sachverständiger – BFD, Büro für Dachtechnik