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"der bauschaden"

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Dokumententyp: Fachbeitrag

Unzulässiges fehlendes Überbindemaß der Mauersteine
© P. Körber
Zur Rissvermeidung an Mauerwerk ist die Beachtung der grundsätzlichen Regeln von großer Bedeutung. Dazu gehören beispielsweise die Verzahnung von Mauerwerksteilen, das ausreichende Überbindemaß der Steine im Mauerwerksverbund und die Vermeidung von konstruktiven Schwachstellen.

 

1 Rissvermeidung bei Mischmauerwerk

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Abb. 1 und 2: Heute übliche Bauweise, die kritisch zu sehen ist. Das Vermauern völlig verschiedener Steinarten muss als Mischmauerwerk bezeichnet werden. Dieses ist entweder zu vermeiden oder verlangt besondere Maßnahmen zur Rissvermeidung. Fotos: Körber

 

 

2 Putzerneuerung an einem denkmalgeschützten Altbau aus Vollziegeln

Der Einsatz eines WDVS war aus denkmalrechtlicher Sicht nicht zulässig. Nach dem Herausschlagen der Brüstungen wurden diese nicht fachgerecht mit Leichthochlochziegeln ohne Verzahnung aufgemauert. Der Altputz verblieb auf dem Gebäude und es wurde mit einem zweilagigen Putzsystem einschließlich Gewebelage komplett neu geputzt. Nach der Sanierung zeigten sich Risse an den Übergängen der neuen Brüstungen zum Altmauerwerk.

 

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Abb. 3 und 4: Das Bauwerk vor dem Neuverputzen. Im Rahmen der Planung/ Bestandsaufnahme musste erkannt werden, dass das Bauwerk bereits nicht fachgerechte, Risse verursachende Brüstungsaufmauerungen besitzt. Die Brüstungen hätten entweder neu mit Verzahnung und artgleichen Steinen aufgemauert werden müssen oder es hätten zusätzliche konstruktive Rissbrücken eingesetzt werden müssen. Fotos: Körber

 

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Abb. 5 und 6: Die Brüstungsbereiche nach dem Neuverputzen. Die Risse an den Brüstungen traten an den Materialwechseln auf, obwohl der Putz eine Putzarmierung besaß. Die auftretenden Spannungen sind im Mischmauerwerk, welches aufgrund der fehlenden Verzahnung quasi eine Fuge (Sollbruchstelle) an dem am höchsten belasteten Bereich besaß, so groß, dass die eingebaute Putzarmierung den Spannungen nicht standhalten konnte. Fotos: Körber

 

Fazit Fallstudie
Zur Rissvermeidung in der Altbausanierung ist Mischmauerwerk grundsätzlich zu vermeiden. Müssen Mauerwerksbereiche erneuert werden, so sollte dieses mit artgleichen Steinen erfolgen. Auf die Verzahnung ist dabei besonders zu achten. Im Übrigen müssen in Bereichen, an denen die Verzahnung des Mauerwerks nicht ausreichend ist, konstruktive Rissbrücken eingesetzt werden.

 

 

3 Fehlender Ringanker / fehlender Sturz

Zur Vermeidung von Rissen sind bereits in der Planungsphase konstruktive Schwachpunkte am geplanten oder zu sanierenden Bauwerk auszumachen.

Gibt es Außenwände, die nicht genügend Auflast durch das Gebäude besitzen, jedoch nicht mit einem Ringanker abgedeckt sind?

In der Historie des Bauens wurde dieser Grundsatz teilweise nicht beachtet, was zur Folge hatte, dass z. B. Dachgeschosse mit frei aufgemauerten Giebeln und ohne aussteifende Querwände erheblichen Verformungen durch Windbelastung ausgesetzt waren. Dies führte zu erheblichen Rissbildungen. Aber auch in der heutigen Zeit und im Neubau sind solche grundsätzlichen konstruktiven Schwachpunkte z. T. festzustellen.

 

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Abb. 7 und 8: Ein Bauwerk von 1930 in der Entstehung und heute. Die Außenwände des Dachgeschosses stehen frei vor der Dachkonstruktion und besitzen keinen Ringanker. Die Folge ist eine erhebliche Rissbildung. Diese schwerwiegenden konstruktiven Mängel an einem Altbau sind unter Kostengesichtspunkten nur schwer zu beheben. An Neubauten müssen solche Schwachstellen strikt vermieden werden. Fotos: Körber

 

 

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Abb. 9 und 10: Rissbildungen aufgrund fehlender Auflast bzw. nicht vorhandenem Ringanker, Fotos: Körber

 

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Abb. 11: Grob fehlerhafter Giebel: Dreiecksfenster ohne Sturz, Giebel ohne Ringanker, Pfettenauflager aus Leichthochlochziegeln. Risse sind vorprogrammiert. Foto: Körber Abb. 12: Kritischer Einbau eines freistehenden Giebels. Es fehlen erforderliche Auflasten / Ringanker sowie Anbindungen an das Gebäude. Risse sind vorprogrammiert. Foto: Körber

 

Fazit
Zur Rissvermeidung sind Neubauvorhaben sowie Altbausanierungen bereits in der Planungsphase auf konstruktive Schwächen zu durchleuchten.
An konstruktiven Schwachpunkten, wie z. B. Giebeln und Dachgeschosswänden, sind Ringanker vorzusehen. In der Altbausanierung ist in Einzelfällen der Einsatz von Ringankern nicht mehr möglich. Hier sollten geeignete alternative Maßnahmen wie z. B. Verbolzungen oder Rissbrücken eingesetzt werden.

 

 

 

4 Fehlende Verzahnung

Zur Vermeidung von Rissen im Mauerwerk kommt dem Mauerwerksgefüge und den Anschlüssen von Mauerwerkswänden, z. B. an Betonfertigteile, eine große Bedeutung zu. Hierbei sind grundsätzlich folgende Dinge zu beachten:

  • Einhaltung des zulässigen Überbindemaßes der Steine
  • keine Kreuzfugen
  • Mauerecken und Querwände mit Verzahnung mauern
  • Einsatz von Edelstahlankern anstatt der Verzahnung ist möglich, muss jedoch streng überwacht werden
  • Anbinden von Mauerwerkswänden an Fertigteile, z. B. mit Einbohrankern oder mit Mauerwerksanschlussschienen

In der Ausführung der Maurerarbeiten ist der Einsatz der o. g. Verbindungsmittel streng zu kontrollieren, da fehlende Verbindungsmittel nach den erfolgten Maurerarbeiten nicht mehr sichtbar sind. Des Weiteren sind dynamische Lasten wie Türen und die damit, z. B. von Mauerwerksvorlagen, aufzunehmenden Schwingungen besonders zu beachten.

 

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Abb. 13 und 14: Unzulässiges fehlendes Überbindemaß der Mauersteine, Fotos: Körber

 

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Abb. 15 und 16: Unzureichend befestigte Mauerwerksanschläge, die sich bereits kurz nach der Erstellung lösen. Es ist zu beachten, dass die später einzusetzenden Türen dynamische Lasten darstellen, die im vorliegenden Fall Risse hervorrufen. Fotos: Körber

 

Fazit
Zur Rissvermeidung sind Mauerwerkswände von vornherein mit der erforderlichen Verzahnung und / oder den erforderlichen Mauerankern zu versehen.
Beim Versuch diesbezüglich Fehler im Nachhinein zu korrigieren, sind immer Teile des Mauerwerks wieder abzubrechen, um eine Verzahnung herstellen zu können.
Das erforderliche Überbindemaß der einzelnen Steine an Mauerwerkswänden ist zwingend einzuhalten.

 

 

Autor: Dipl.-Ing. Peter Körber