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"der bauschaden"

Schadensursachen erkennen

Bauschäden fachgerecht sanieren

Haftungsfälle vermeiden

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Dokumententyp: Fachbeitrag

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© K.-H. Voggenreiter
Um zu einer fachgerechten Rissklassifizierung als Grundlage für die Festlegung von Sanierungsmaßnahmen zu kommen, ist eine umfassende Schadensdokumentation unumgänglich. Diese Schadensdokumentation stellt die erste grundlegende Maßnahme bei der Instandsetzung von Rissen in Decken- und Wandbauteilen dar.

Eine fachgerechte Schadensdokumentation liefert bei einer entsprechenden Erfassung und Interpretation des vorliegenden Rissbildes grundlegende Informationen und grenzt die mögliche Bandbreite der Schadensursachen i. d. R. bereits sehr stark ein.

Bei der Schadensdokumentation sind insbesondere folgende – zur weiteren Beurteilung des Rissbildes notwendige – Informationen aufzunehmen:

 

Rissspezifische Schadensmerkmale
x Breite der einzelnen Risse
x Verlauf der Einzelrisse
x Tiefe der einzelnen Risse
x Länge der einzelnen Risse mit Angabe zu den Rissenden (z. B. gegen null auslaufend)
x Flankenversatz der Rissufer senkrecht zur Bauteiloberfläche
x Flankenversatz der Rissufer parallel zur Bauteiloberfläche
x Ausbildung der Rissflanken
x Verschmutzungsgrad der Rissflanken
x Rissalter (abzuschätzen im Vergleich zu frischen Bruchflächen)
x dynamisches oder statisches Rissbild (Rissbeobachtung, z. B. mittels Rissmonitore)

 

Allgemeine Schadensmerkmale
x Verteilung der Risse in dem Bauteil
x Lage der einzelnen Risse (auch im Verhältnis zur Lage von anderen Bauteilen)
x Lage von Anschlussbauteilen (Fugenausbildung)
x Zeitpunkt des Schadenseintritts
x Bauteilaufbau und Materialeigenschaften
x Konstruktionsmerkmale

 

Bei der Schadensdokumentation kann es zudem notwendig werden, ein vorhandenes Rissbild über einen bestimmten Zeitraum zu beobachten, um sicher abschätzen zu können, ob der Rissbildungsprozess abgeschlossen ist. Siehe hierzu Abbildung 1.

Sollte es sich bei dem vorliegenden Rissbild um dynamische Rissbildungen handeln, das bedeutet, dass die vorliegenden Risse (z. B. bei Temperaturänderungen oder auch Feuchteänderungen) in ihrer Breite schwanken, so sind die festzulegenden Instandsetzungsmaßnahmen auf diesen Umstand hin abzustellen.

Bei der Beobachtung von Rissen sind die Zeiträume sinnvollerweise so festzulegen, dass periodisch wiederkehrende (z. B. tages- und jahreszeitliche) Veränderungen der Rissbreiten sicher festgestellt werden können.

 

11-25-03-01 Abb. 1: Beobachtung der Rissbreitenschwankungen mittels Rissmonitor, Abb.: Voggenreiter

 

Die Schadensdokumentation sollte dabei so erfolgen, dass ein vorliegendes Rissbild in Aufrissen, Ansichten oder Gebäudeabwicklungen bauteilübergreifend kartiert wird. Das Gesamtbild einer Rissbildung kann so wesentlich besser erschlossen werden, besonders bei Rissen in Gebäuden oder Bauteilen, die sich über mehrere Geschosse erstrecken.

Bei einer umfassenden und fachgerechten Schadenskartierung kann die Abhängigkeit der Risse untereinander sowie die Abhängigkeit eines Rissbildes von bestimmten Konstruktionsmerkmalen wesentlich einfacher und zielsicherer festgestellt werden.

 

Autor: Dipl.-Ing. Karl-Heinz Voggenreiter