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"der bauschaden"

Schadensursachen erkennen

Bauschäden fachgerecht sanieren

Haftungsfälle vermeiden

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Dokumententyp: Fachbeitrag

Rissbildung
© A. Jahn
Neben der Schadensdokumentation und Rissklassifizierung bzw. -kategorisierung sind zur Festlegung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen i. d. R. weitere, grundlegende Voruntersuchungen notwendig. Dazu zählen je nach Bauteil, Bauart oder Baustoff insbesondere...
  • Untergrundprüfung (z. B. bei Putzen Festigkeit, Saugverhalten etc.)
  • Feststellen der Materialeigenschaften der verwendeten Baustoffe (mechanische und physikalische Kennwerte wie z. B. Feuchtedehnung, Wärmedehnung, E-Modul etc.)
  • Feststellen der Konstruktionsart (z. B. Schichtenaufbau, spezielle konstruktive Eigenschaften, statisches System, Detailausbildung etc.)
  • Baugrunduntersuchung (z. B. Feststellen der Bodenkennwerte, Tragfähigkeit etc.)
  • Belastung des Bauteils oder der Konstruktion (z. B. durch Lasten, Nutzung oder Witterung)

Die Voruntersuchungen können grundsätzlich in folgende drei Verfahren eingeteilt werden (vgl. hierzu auch WTA Merkblatt 2-4-08):

  • zerstörungsfreie Verfahren
  • zerstörungsarme Verfahren
  • zerstörende Verfahren

Nachfolgend sollen die unterschiedlichen Untersuchungsverfahren kurz vorgestellt und die damit zu gewinnenden Erkenntnisse erläutert werden.

 

Zerstörungsfreie Verfahren

  • Visuelle Überprüfung auf sichtbare Schäden
  • Akustische Überprüfung (z. B. zum Feststellen von Hohlstellen mittels Abklopfen der Flächen)
  • Anfertigen einer Schadensdokumentation (Risskartierung) in Ansichtsplänen (Verteilung und Verlauf der Risse)
  • Feststellen der Rissbreiten (z. B. mittels Rissmaßstab, Risslupe)
  • Feststellen der Risstiefen (z. B. mittels Messleere, Risslupe)
  • Überprüfen des Wassereindringwiderstandes (kapillare Wasseraufnahme, z. B. mittels eines Wassereindring- Prüfröhrchens nach Karsten)
  • Überprüfung der Oberflächendruckfestigkeit (z. B. mittels des Rückprallhammers nach Schmidt)
  • Ermittlung der Betondeckung (z. B. mit einem magnetinduktiven Überdeckungsmessgerät)

 

Zerstörungsarme Verfahren

  • Ritzproben zur Feststellung der Oberflächenfestigkeit bzw. der Haftzugfestigkeit
  • Anbringen von Rissmonitoren oder Gipsmarken zur Dokumentation der Rissbreitenveränderungen
  • Gitterschnittprüfungen zur Überprüfung der Haftung von Beschichtungen

 

Zerstörende Verfahren

  • Feststellen der Risstiefen mittels Kernbohrungen
  • Probenentnahmen mittels Kernbohrgerät oder Trennscheibe zur weiteren labortechnischen Untersuchung
  • Ermittlung der Karbonatisierungstiefe mittels eines Indikatorstoffs (z. B. Phenolphthalein) an frischen Bohrungen oder Bruchstellen
  • Feststellen der Druckfestigkeit an entnommenen Proben
  • Feststellen der Biegezugfestigkeit an entnommenen Proben

Abhängig von dem zu untersuchenden Bauteil oder Baustoff können auch weitergehende Untersuchungen, wie z. B. labortechnische Untersuchungen der verwendeten Materialien, notwendig werden.

Insbesondere bei mineralischen Baustoffen können Untersuchungen z. B. zur Druckfestigkeit des Baustoffs, Materialaufbau (Bindemittel und Zuschläge), Haftzugprüfungen, Scherversuche oder auch Untersuchungen zur chemischen Zusammensetzung (z. B. einer Betonmatrix) zur Klärung des Schadensbildes beitragen.

Aber auch Untersuchungen zum Tragverhalten, zum Konstruktionsaufbau oder auch die Überprüfung von statischen Berechnungen, Bewehrungsplänen etc. sind unter Umständen notwendig, um geeignete Sanierungsmaßnahmen oder Instandsetzungsverfahren festlegen zu können. Des Weiteren können auch Fragen zum Bauablauf wie z. B. Einbaubedingungen, Nachbehandlung, Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt der Verarbeitung, etc. bei der Ermittlung der Rissursache und dem Festlegen der daraus resultierenden Sanierungsschritte wesentlich sein.

Zudem kann es im Vorfeld einer Sanierungsentscheidung notwendig werden, Rissbildungen weiter zu beobachten, um Aufschluss über das verbleibende Bewegungspotenzial eines Risses (Veränderung der Rissbreiten, Verschiebung der Rissufer gegeneinander) zu gewinnen. Dabei kann es auch von Interesse sein, die Schwankungen der Rissbreiten in Abhängigkeit der Oberflächenund/ oder Umgebungstemperaturen zu erfassen, um thermische Rissbreitenschwankungen (z. B. im jahreszeitlichen Verlauf) von tatsächlichen Rissbreitenänderungen (z. B. aufgrund von Setzungen) unterscheiden zu können.

 

Autor: Dipl.-Ing. Karl-Heinz Voggenreiter