Starten Sie hier Ihre Digitalausgabe

Hier finden Sie die Formulare für Bauleiter

Hier finden Sie das
Archiv der Zeitschrift
"der bauschaden"

Schadensursachen erkennen

Bauschäden fachgerecht sanieren

Haftungsfälle vermeiden

TPL_ONLINTECH_ADDITIONAL_INFORMATION

= Inhalte verfügbar für Premiummitglieder   = Inhalte verfügbar für alle

Dokumententyp: News

Fassadenbeschichtungen: Westfassaden der Zwillingshäuser vor der ProjektphaseQuelle: Fraunhofer-IBP Hochwertige Fassadenfarben und -putze mit Veralgungsschutz sind heute so austariert, dass die Wände frei von Bewuchs bleiben und nur geringe biozide Wirkstoffmengen ins Fassadenablaufwasser gelangen. In einer Feldstudie hat die Fraunhofer-Gesellschaft für Bauphysik nachgewiesen, dass die Auswaschungsmenge niedriger ist als bislang angenommen. Insbesondere Farben und Putze, in denen der Wirkstoff gekapselt eingesetzt wird, geben nur geringe Mengen ab.

Eine aktuelle Studie der Fraunhofer-Gesellschaft für Bauphysik belegt, dass Mittel zum Schutz von Fassaden vor Algen- und Pilzbefall aus hochwertigen Putzen und Farben bei weitem nicht so stark ausgewaschen werden wie angenommen. Zudem senkt der Einsatz moderner verkapselter Wirkstoffe die Austragungen erheblich.

Mikroorganismen besiedeln (bei entsprechenden äußeren Bedingungen) nahezu jede Oberfläche – und sie kommen überall in der Natur vor. Um die Wahrscheinlichkeit eines Algen- oder Pilzbefalls zu minimieren, werden Fassadenputzen und -farben Biozide beigemischt, die das Wachstum von Algen und Pilzen unterbinden. Vermutet wurde bisher, dass die Schutzstoffe relativ schnell ausgewaschen werden und so die Umwelt belasten. Dann sei die Fläche zudem nicht mehr vor Befall geschützt.

Tatsächlich sind Algizide und Fungizide wasserlöslich. In hochwertigen Fassadenbeschichtungen sind die Biozide eingebunden, was die Auswaschung verzögert.

 

Jetzt hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen wissenschaftlich untersucht, wie sich hochwertige Baustoffe unter realen Bedingungen verhalten: 2010/11 wurde die Biozid-Auswaschung an den Westfassaden zweier baugleicher Häuser gemessen. Auf jeweils der Hälfte der Fassaden kam ein hochhydrophober Putz nach DIN EN 15824 auf ein organisches Wärmedämm-Verbundsystem. In dem Oberputz waren die bioziden Wirkstoffe verkapselt (Haus 1) beziehungsweise frei (Haus 2) eingesetzt – jeweils in den gleichen Konzentrationen.

Verkapselt“ bedeutet, dass der Wirkstoff von einem Polymer umhüllt ist, das auf den Wirkstoff und den Beschichtungsstoff abgestimmt ist. So lässt sich die Löslichkeit des Wirkstoffs gleichmäßig auf ein niedriges, aber wirksames Niveau einstellen. Die Konzentration der Wirkstoffe lag beim Versuch in Holzkirchen bei 1,6 Gramm pro Quadratmeter Fassadenfläche (entprechend 0,62 Gramm pro Kilogramm fertigem Oberputz). Da Holzkirchen in einem niederschlagsreichen, stark schlagregenbeanspruchten Gebiet liegt (Normalregen-Jahresmittel 1190 l/m²), dürften die gemessenen Werte einem zu erwartenden maximalen Wirkstoffaustrag in das Fassadenablaufwasser entsprechen.

 

Ergebnis: Bei den freien unverkapselten Verbindungen werden im ersten Jahr zwischen 3,7 und 11,8 Prozent der Gesamtwirkstoffmenge ausgewaschen, bei den verkapselten Wirkstoffen zwischen 1,5 und 4,9 Prozent.

„Die Annahme, Biozide seien bereits nach ein bis zwei Jahren vollständig ausgewaschen, wurde bei hochwertigen Baustoffen klar widerlegt. Zudem belegt der Freilandversuch, dass verkapselte Biozide zu einem erheblich geringeren Teil aus einem hochhydrophoben Putzsystem ausgetragen werden als bei herkömmlichen“, fasst Dr. Werner Duttlinger, Leiter der Analytik, Prüf- und Verarbeitungstechnik bei Sto, zusammen. Fassaden mit verkapselten Wirkstoffen sind daher auch länger geschützt.

Werden Fassaden ohne algizide oder fungizide Wirkstoffe beschichtet, steigt das Risiko eines mikrobiellen Bewuchses.

 

Hintergrund

Im Zeitraum vom 20. Mai 2010 bis zum 13. April 2011 wurden 51 Regenereignisse an den nach Westen ausgerichteten Fassaden gemessen, bei denen es an der rechten Fassadenhälfte von Haus 1 zu insgesamt 2770 Litern Ablaufwasser kam, an Haus 2 waren es 2440 Liter. Die in diesen Ablaufmengen ermittelten ausgewaschenen Wirkstoffe belegen Austräge für die freien unverkapselten Verbindungen zwischen 3,7 und 11,8 Prozent der Gesamtwirkstoffmenge (Terbutryn 3,7 %, IPBC 8,4 %, OIT 11,8 %, Diuron 11,7 %), während von den verkapselten Wirkstoffen lediglich 1,5 bis 4,9 Prozent ausgewaschen wurden (Terbutryn 1,5 %, IPBC 4,7 %, OIT 4,9 %, Diuron 1,8 %). Eine Ausnahme bildete der schwer lösliche Wirkstoff DCOIT, der sich unverkapselt zu 0,8 % und verkapselt lediglich zu 0,6 % im Ablaufwasser fand. Die Unterschiede zwischen verkapselten und freien Bioziden bei der Austragung waren insbesondere zu Beginn der Messperiode sehr groß. Bis etwa zum zwanzigsten Regenereignis waren deutliche Unterschiede zu beobachten, bevor sich die Auswaschungsmengen auf sehr niedrigem Niveau anglichen.

 

Literatur:

Breuer, K.; Mayer, F.; Scherer Ch.; Schwerd R.; Sedlbauer, K.: Wirkstoffauswaschung aus hydrophoben Fassadenbeschichtungen: verkapselte versus unverkapselte Biozidsysteme. In: Bauphysik 34 (2012), Heft 1, S. 19-23.