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Dokumententyp: News

Ausschilderung einer Baustelle
Bild: © HEIN Industrieschilder GmbH
Baustellen erfreuen nur selten das Herz von an ihnen Unbeteiligten – zu oft finden sie mitten in unserem Alltagsbereich statt und stören Verkehrswege. Gerade aufgrund dieser Störwirkung und der Abweichung von gewohnten Wegeumständen ist es notwendig, Baustellen adäquat abzusichern. Sowohl Öffentlichkeit als auch Baustelle sind hierbei durch den jeweils anderen gefährdet; diese prekäre Wechselwirkung gilt es mittels Vorsichtsmaßnahmen möglichst zu entschärfen. 

 

Auf öffentlichem Grund, aber auch auf Privatgelände sind die Bauherren in der Pflicht. Die Verkehrssicherungspflicht (auch: Verkehrspflicht) verpflichtet deliktrechtlich auf einer grundsätzlichen Ebene zur Sicherung von Gefahrenquellen, um Schäden anderer zu vermeiden. Gegenstand der Verkehrssicherungspflicht kann auch die Baustelle auf dem Firmengelände sein, denn die Verkehrspflicht erstreckt sich nicht nur auf Betriebsangehörige sondern auch auf Besucher und Kunden:

„Derjenige, der eine Gefahrenquelle schafft oder unterhält, hat die Pflicht, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um Schäden anderer zu verhindern.“

Zweifelsohne ist die Baustelle hier ein Paradebeispiel.

Vorschriften und Grundlagen zur Absicherung von Baustellen liefern diverse Gesetze, Verordnungen und weitere Regelungen, von denen die wichtigsten folgende sind: 

  • Das bürgerliche Gesetzbuch (BGB)
  • Die Straßenverkehrsordnung (StVO)
  • Die Verwaltungsvorschrift zur StVO (VwV-StVO)
  • Die Baustellenverordnung
  • Die Unfallverhütungsvorschrift Bauarbeiten (BG-Vorschrift C 22)
  • Die Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA)
  • Die zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Sicherungsarbeiten an Arbeitsstellen an Straßen (ZTV-SA 97)

 

Rechtliche Formalitäten

Für eine Arbeitsstelle (Baustelle), die sich im öffentlichen Verkehrsraum befindet, sich wesentlich auf den Straßenverkehr auswirkt und die mindestens über eine begrenzte Stundenzahl hinaus besteht (hier zumeist: die Tageshelligkeit eines Kalendertages), muss ein Verkehrszeichenplan erstellt werden. Er beinhaltet die vorgesehenen Verkehrszeichen und Markierungen sowie deren Positionierung bezüglich der Baustelle. Aus ihm muss beispielsweise klar hervorgehen, wie die Baustelle abgesichert und gekennzeichnet wird, ob oder wie der Verkehr zu beschränken, zu leiten und zu regeln ist sowie die Kennzeichnung gesperrter Straßen und Umleitungen.

Detailliert sollten folgende Angaben in Anordnung und Verkehrszeichenplan zu finden sein:

  • Großräumige Beschreibung der Örtlichkeit
  • Lage der Bau- und Arbeitsstelle
  • Breiten und Restbreiten von eingeschränkten Fahrbahnteilen
  • Der geplante zeitliche Ablauf (Beginn, Ende und ggf. weitere Detailangaben)
  • Beschilderung, Beleuchtung, Markierung und Absperrgeräte,
  • Geplante Abdeckung vorhandener Beschilderung
  • Geschwindigkeitsbeschränkungen
  • Name, Anschrift und Kontaktmöglichkeit des Verantwortlichen und eventuell seines
    Stellvertreters
  • bei Einsatz einer Lichtsignalanlage: Signalanlagenplan und der dafür Verantwortliche
  • bei Umleitung: ein zusätzlicher Lageplan inklusive Beschilderung der Umleitungsstrecken (Bei Umleitungen sind die Richtlinien für Umleitungsbeschilderungen (RUB) zu beachten.)

 

Praktischerweise gibt es in den Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA) für Standardbegebenheiten bereits fertige Regelpläne, die so übernommen oder geringfügig angepasst werden können. Die Eignung der Regelpläne ist im jeweiligen Einzelfall unter Beachtung strenger Kriterien zu prüfen.

Vor Ort ist die festgelegte Planung zwingend einzuhalten. Jede Änderung muss registriert und die Pläne in Gesamtheit neu evaluiert und genehmigt werden.

 

Die Beschilderung einer Baustelle mittels Verkehrszeichen

Kategorisierung

Die Verkehrszeichen für Baustellen werden in 3 Kategorien eingeteilt:

  • Gefahrzeichen
  • Vorschriftszeichen
  • Richtzeichen

 

Gefahrzeichen mahnen zu erhöhter Aufmerksamkeit und damit einhergehend insbesondere zur Verringerung der Geschwindigkeit. Zu den Gefahrzeichen zählen beispielsweise Zeichen 123 („Arbeitsstelle“, das mit dem charakteristischen Schaufelmännchen wohl typischste und bekannteste Baustellenschild), Zeichen 120 (Verengte Fahrbahn) oder Zeichen 112 (Unebene Fahrbahn).

Vorschriftszeichen müssen, wie der Name schon klar sagt, von Verkehrsteilnehmern befolgt werden. Typische Vorschriftzeichen sind Zeichen 208 (Vorrang des Gegenverkehrs), Zeichen 259 (Verbot für Fußgänger) und Zeichen 264 (Tatsächliche Breite).

Richtzeichen geben zusätzliche Hinweise zur Erleichterung des Verkehrs und können dabei auch Ver- oder Gebotsanweisungen enthalten. In diesem Fall müssen sie von Verkehrsteilnehmern trotz ihres Hinweischarakters befolgt werden. Häufig verwendete Richtzeichen sind das Zeichen 454 (Umleitung) und das Zeichen 308 (Vorrang vor dem Gegenverkehr).

 

Qualität

Schnell ein Baustellenschild auf DIN A4 ausgedruckt und an eine Straßenlaterne in der Nähe geklebt oder schnell selbst auf ein altes Brett gekritzelt – so geht es natürlich nicht. Verwendete Schilder müssen einige Qualitätsmerkmale aufweisen, bevor sie als Baustellenschild fungieren können. Folgende Punkte sind besonders zu beachten:

  • Es sind nur Schilder nach VzKat (Verkehrszeichenkatalog) zu verwenden.
  • Die Verkehrsschilder müssen nach anerkannten Qualitätskriterien getestet sein und ein entsprechendes Siegel wie das RAL-Gütezeichen tragen.
  • Folien müssen voll retroflektierend, von Bauart Typ 1 DIN 67520, T.2 und vollständig erkennbar sein. Ist mehr als 20% der Folienfläche beschädigt, muss das Schild aussortiert werden.
  • Die Schildergröße innerorts oder an Landstraßen muss Größe 2 entsprechen.
  • Die Schildergröße auf Autobahnen muss Größe 3 entsprechen, wobei zusätzlich immer auch spezielle Länderregelungen zu beachten sind.

 

Standort

Nicht nur das Vorhandensein eines Schildes, auch sein Standort ist für die präventive und verkehrsregelnde Wirkung von fundamentaler Bedeutung. Verkehrszeichen müssen einen sicheren Stand besitzen und gegen Verdrehung geschützt sein. In der ZTV-SA 97 sind in Anhang 3 Angaben über die Art und Anzahl der Fußplatten zu finden, die von folgenden Kriterien abhängen:

  • Standsicherheitsklasse
  • Schildergröße
  • Aufstellungsort
  • Aufstellhöhe

 

Die Verkehrsschilder dürfen nicht auf der Fahrbahn stehen. Innerorts muss der Abstand vom Pfosten zur Fahrbahn normalerweise einen halben Meter betragen, mindestens jedoch 30 cm. Außerhalb von Orten beträgt der Abstand 1,50 m. Sind keine Bürgersteige und Radwege vorhanden oder werden diese durch das Aufstellen unter die vorgeschriebene Mindestbreite eingeengt, dürfen die Schilder im Ausnahmefall innerorts auch direkt am rechten Fahrbahnrand aufgestellt werden. Die erforderlichen Mindestmaße für die verbleibende Restfahrbahn nach RSA 95, Abschnitt A-2.2 müssen dabei eingehalten werden.

Verkehrsschilder werden entsprechend dem Rechtsfahrgebot prinzipiell am rechten Fahrbahnrand aufgestellt, unter den folgenden Bedingungen auch am linken: 

  • Sehr hohes Verkehrsaufkommen
  • 2 oder mehr Fahrstreifen in eine Richtung
  • Ungünstige örtliche Verhältnisse

 

Streckenverbote müssen außerdem unter folgenden Bedingungen wiederholt werden: 

  • Auf Landstraßen mindestens alle 500 m
  • Auf Autobahnen mindestens alle 1000 m
  • Nach Kreuzungen
  • Nach Einmündungen

  

Aufstellhöhe

Die Mindesthöhe wird vom Boden bis zur unteren Kante des Schildes gemessen.

 

Außerhalb der Fahrbahn und auf Bürgersteigen  2,0 m
Auf Radwegen  2,2 m
Im Bereich von Arbeitsstellen innerorts und außerorts (mehrere Fahrspuren)  1,5 m
Vermessungsarbeiten  0,6 m

 

Abstände und Höhe der Beschilderung

Abstände und Höhe der Beschilderung einer Baustelle
(Grafik: © HEIN Industrieschilder GmbH)

  

Schildkombinationen

Pro Pfosten gelten folgende Regelungen: 

  • Maximal 3 Schilder
  • Davon maximal 2 Vorschriftszeichen und maximal 1 Gefahrzeichen
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote müssen an einem Pfosten angebracht werden
  • Gefahrzeichen müssen über Vorschriftszeichen angebracht werden

 

Bei jeder Baumaßnahme, ob im öffentlichen Bereich oder auf Privatgrund, sollten sicherheitshalber auf jeden Fall im Vorfeld Erkundigungen über lokale und/oder regionale Regelungen und Anweisungen, beispielsweise bei der Straßenverkehrsbehörde eingeholt werden.

 

Beitrag: HEIN Industrieschilder GmbH (http://www.hein.eu)

 

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